Donnerstag, 27. Januar 2011

Geduld ist eine Tugend

Geduld ist eine Tugend, so sagt man im Volksmund.
Heute musste ich mir so meine Gedanken dazu machen. Warten ist ja auch das Thema unseres übernächsten Hörspiels für Fortgeschrittene und so begann ich heute an diesem Satz zu kauen...

Geduld ist eine Tugend.
Was ist eine Tugend? Wiki schreibt "Unter Tugend versteht man eine Fähigkeit und innere Haltung, das Gute mit innerer Neigung (das heißt: leicht und mit Freude) zu tun."

Das brachte ich mir gleich noch mehr Fragen auf den Tisch:
Geduld hat nur der, der es schafft es mit Freude geduldig zu sein? Oder wer Geduld hat, der wird Freude haben? Oder, dass es einfach erstrebenswert ist, mit Freude geduldig zu sein..
Aber wer sich dazu zwingen muss, der ist nicht wirklich geduldig, der hat nur keine andere Wahl mehr!?

Geduld haben - Langmut besitzen - etwas mit Freuden dulden - ertragen - langen Mut, Ausdauer, viel Hoffnung haben?

Wann brauchen wir eigentlich Geduld?
Wenn wir ungestillten Sehnsüchten und unerfüllten Wünschen gegenüberstehen. Bis zur Erreichung dessen brauchen wir Geduld, die oft mit Hoffnung gepaart daher kommt. Geduld ist der Weg zwischen Wunsch und Erfüllung. Das bringt mich zu einem Zitat vom guten alten Dalai Lama: "Um Geduld zu erlernen, braucht man einen Gegner. So sind unsere Feinde äußerst hilfreich."
Haben wir Geduld erlernt, so sind wir stärker geworden. Demnach könnten wir davon ausgehen, dass Geduld eigentlich nur größer werden kann. Bei jeder Situation wo wir Geduld brauchen, können wir als Mensch daran wachsen. Und "wer seine Geduld verloren hat, der braucht sie, um sie wieder zu finden." (Bruno Ziegler)

"Der hat aber auch 'ne Engelsgeduld!" 
Sind Engel geduldig? Jetzt könnten Kritiker natürlich einwerfen: "Natürlich, wer nur alle 500 Jahre mal auf die Erde runter darf, der muss mächtig Geduld haben!" Tatsächlich werden viele Engel in der Bibel als geduldig beschrieben. Vor allem geduldig mit uns Menschen...

Generell ist in der Bibel Geduld ein zentrales Thema. Hebräer 6, 11: "Wir wünschen uns deshalb sehr, dass ihr bis zum Ende diesen Eifer behaltet, damit ihr voller Zuversicht an der Hoffnung festhalten könnt, die Gott euch gab. Dann werdet ihr auch nicht träge oder gleichgültig werden, sondern dem Beispiel derer folgen, die aufgrund ihres Glaubens und ihrer Geduld die Zusagen Gottes empfangen."
Eifer, Zuversicht, Hoffnung, Glauben, Geduld. Gott gibt uns Hoffnung. An der können wir festhalten, wenn wir begeistert sind von Gott und seine Ziele umsetzen. Und wenn wir Gott vertrauen und geduldig sind, dann werden wir seine Zusagen empfangen.

Das sind steile Worte. Glaube und Geduld hängen ganz eng zusammen. Und umso mehr glaub ich, dass Geduld nicht nur eine Tugend ist, sondern eine Frucht des Heiligen Geistes. Denn wenn der Heilige Geist uns mit Geduld ausstattet, dann - hola - ist aber mächtig viel Freude in der Hütte! Dann werden wir uns nicht zermürben und uns unerfüllten Wünschen und ungestillten Sehnsüchten hingeben. Sondern mit dem Ausblick auf das was bereit steht, können wir seeeehr geduldig sein. Weil es auch nicht aus uns produziert ist. Sondern Gott uns schenkt.

Aus der Türkei heißt es "Geduld ist der Schlüssel zur Freude." Ich glaube: Geduld IST Freude. Wenn Kinder auf ihre Geschenke vor Weihnachten warten und betteln und quengeln, dass sie schon ganz aufgeregt sind, dann liegt wirklich Freude in der Luft. Vorfreude nämlich. Und das ist ja bekanntlich ... die schönste Freude!

Kommentare:

Miri hat gesagt…

Sprüche:

14,17 Ein UnGeduldiger handelt töricht; aber ein Bedächtiger hasst es.

14,29 Wer Geduldig ist, der ist weise; wer aber unGeduldig ist, der offenbart seine Torheit.

15,18 Ein zorniger Mann richtet Hader an; ein Geduldiger aber stillt den Zank.

16,32 Ein Geduldiger ist besser denn ein Starker, und der seines Mutes Herr ist, denn der Städte gewinnt.

19,11 Wer Geduldig ist, der ist ein kluger Mensch, und ist ihm eine Ehre, dass er Untugend überhören kann.

25,15 Durch Geduld wird ein Fürst versöhnt, und eine linde Zunge bricht die Härtigkeit.

Phil. hat gesagt…

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass Geduld heutzutage völlig untergeht. Wenn man auf etwas ne Weile warten muss, wendet man sich anderen Dingen zu und es gerät in Vergessenheit. Z. B. wenn ne Homepage mal länger braucht zum Laden.

Geduldig zu sein in einer sich immer schneller drehenden Welt muss man wollen, man muss sich oft für das Warten entscheiden. Und wie so oft merkt man dann im Nachhinein, dass sich das Warten absolut gelohnt hat.

Vorfreude hat man allerdings nur auf Dinge, auf die man sich wirklich freut. Geduld braucht man aber auch, wenn man auf Dinge wartet, auf die man sich nicht sonderlich freut, sonst dreht man bald am Rädchen. :)

eckisuf hat gesagt…

Hey, sehr interessanter Gedanke.
Aber wenn Du auf Dinge wartest, auf die Du Dich nicht freust, dann brauchst Du gar keine Geduld. Oder? Weil wer wartet gerne auf ein schlechtes Ende...!? Ein schlechtes Ende kannst Du immer schon früher herbeiführen...!?

Fragend,
Eck

Miri hat gesagt…

Ich finde GERADE bei Dingen, auf die man sich freut, braucht man Geduld. Denn die hätte man ja meistens am liebsten sofort. Oder?

Phil. hat gesagt…

Es muss ja kein schlechtes Ende sein, auf das man wartet. Es kann auch etwas anderes Unangenehmes sein, das wahrscheinlich eintreten wird, z. B. Noten oder Zeugnisse. Man ahnt, dass sie nicht gut sind, muss aber auf sie warten. Oder man hat ein Gespräch zu führen, bei dem man schwer einordnen kann in welche Richtung es gehen wird und es verschiebt sich immer wieder. Dafür braucht man auch Geduld, oder?

eckisuf hat gesagt…

Ich weiß nicht, ob wir das als Geduld bezeichnen würden... Das ist für mich eher Ausdauer haben. Geduld ist zwar auch ein Teil von Ausdauer, aber für mich ists doch ein anderer Teil davon. Nämlich eher das Ausharren, absitzen, das endlose Nichtstun. Das ist viel lähmender, deprimierender.
Ich glaube schon, dass wir Geduld eher bei positiven Dingen brauchen. Du willst die schlechten Noten ja eigentlich gar nicht haben. Und auf bei dem Gespräch bist Du ja eher froh, wenn es endlich vorbei ist. Wohin gegen Du dem positiven Ereignis zufieberst und das Ereignis an sich dann feierst.
Oder?

Phil. hat gesagt…

sorry, war länger nicht auf deinem Blog und hab dementsprechend nicht geantwortet.

Also ich glaube wir haben ein unterschiedliches Verständnis von Geduld. :) Ich verstehe darunter die "Fähigkeit, warten zu können" wie Wikipedia es beschreibt: http://de.wikipedia.org/wiki/Geduld

Und zu diesem Warten zählt dann auch das Warten auf gute und negative Dinge. Ich glaube wir brauchen Geduld bei beiden Themen, vor allem aber bei unangenehmen Dingen. Ich finde auf leichte und schöne Sachen ist die Vorfreude oft schon so schön, dass es vlt. ganz gut ist, wenn wir Zeit haben diese auch zu genießen. ;)