Freitag, 27. Mai 2011

Dr. House 7/8

Heute hab ich eine sehr interessante Folge Dr. House geguckt. Es ging thematisch wieder um den Glauben. In den Rahmenhandlungen wurde es in den Beziehungen auch dreimal thematisiert. Im Hauptplot ging es um einen Mann, der einen Deal mit Gott gemacht hat: So lange seine Tochter den überstandenen Krebs nicht mehr hat und gesund bleibt wird er sich jedes Jahr kreuzigen lassen, um sich der Schmerzen Jesu bewußt zu werden. Für ihn war es nämlich ein Wunder Gottes. Er vertraut Gott sein ganzes Leben an, legt es ihm jedes Jahr wieder neu hin. Auf dass Gott ihn früher nimmt, als seine Tochter. Als es darum geht, dass die Ärzte ihn heilen können, lehnt er die Behandlung ab. Auch seine Tochter kann ihn nicht umstimmen. Und sie sagt sogar ziemlich gute Dinge: "Gott ist voller Güte. Er hat mich am Leben gelassen. Gott will nicht, dass Du stirbst! Wenn Gott so wäre, dann hasse ich ihn!" Doch der Vater watscht sie ab: "Wenn du älter bist verstehst Du das!"

Kommen wir zu den Rahmenhandlungen:
ER1 - früher notorischer Fremdgänger - glaubt seine Frau habe eine Affäre. Doch es stellt sich heraus, dass es nur ein Freund ist, den sie aus der Selbsthilfegruppe kennt. SIE1 teilt mit ihm ihr Leben, was aber gern ER1 für sich beanspruchen würde. Für ihn ist es emotionales Fremdgehen und will sie davon abhalten ihn zu kontakten. Doch SIE1 sieht das nicht ein, weil sie ihn nicht belügen will. SIE1 brauche es für sich. ER1 ist sich am Ende bewußt, dass er völlig überreagiert hat. Das Vertrauen ist durch das Fremdgehen total erschüttert. ER1 war sich nicht im Klaren darüber, dass SIE1 ihm noch gar nicht richtig vergeben hat. Vertrauen gewinnt man aber nicht durch Kontrolle. Wie viel Ehrlichkeit ist tragbar für das Gegenüber? ER1 erkennt seinen Fehler und  liebt seine Frau noch immer sehr. Ausgang offen.

ER2 wollte seiner Exfrau und wieder-Freundin einen zweiten Heiratsantrag machen. SIE2 versteht das gar nicht. Und verlässt ihn daraufhin, zieht aus. Für sie ist es eine Konfrontation mit der Vergangenheit. SIE2 erkennt, dass ER2 sich gar nicht so verändert hat, wie sie dachte. Und damit kann sie nicht leben. Das wiederum deutet ER2 als "Kneifen" - und damit als altes Verhaltensmuster ihrerseits. Doch damit macht er nur alles schlimmer. SIE2 ist enttäuscht, verletzt und geht weg. ER2 versteht die Welt nicht mehr. Von der sicher geglaubten Zweierschaft ist nichts mehr da. Einsam und verlassen steht ER2 wie ein begossener Pudel im Türrahmen und schaut ihr hinterher. Wie viel Prägung von außen macht uns zu dem, der wir sind?! Wie viel Glauben ist selbst ergründet oder nur "mitgelebt" worden? Sind wir bereit alte Ansichten über Bord zu werfen und uns auch auf Gott neu einzulassen? Schmeißen wir die Flinte ins Korn und geben auf, wenn wir denken Gott ist nicht so, wie wir dachten?

ER3 hat große Probleme mit SIE3. ER3 hat SIE3 nämlich belogen. Bei einer ziemlich wichtigen Angelegenheit. Und obwohl sie es nicht wollte und seine Ehrlichkeit verlangte. Trotzdem gibt SIE3 ihn nicht auf. Im Gegenteil. Ihr reicht eine ehrliche Entschuldigung. Doch ER3 windet sich rum. Versucht zu tricksen. Will ihr auch eine Lüge nachweisen, um zu beweisen, dass jeder Mensch mal lügt und deswegen doch kein Vertrauen zu Bruch gehen muss. Schließlich konfrontiert ER3 SIE3 mit einer Lüge ihrerseits, die tief in ihre Vergangenheit rein reicht. Sie ist völlig überrollt und geht. Daraufhin entschuldigt ER3 sich bei ihr. Mit dem Versprechen in Zukunft ehrlich zu sein und nicht mehr zu lügen erreicht er, dass SIE3 ihm verzeiht. (was sie meiner Meinung nach natürlich eigentlich auch längst getan hatte, zumindest innerlich...)
Doch dann stellt sich heraus, dass ER3 nur den Tipp von ER2 angewandt hat: Er hat einfach gelogen. Durch die gelogene Entschuldigung hat er seine Lüge wieder gerade gebügelt. Was den Effekt hatte, dass SIE3 sich ihm wieder zugewandt hat. Macht eine gelogene Entschuldigung eine Lüge wett? Muss man sich für etwas entschuldigen, wo man sich keiner Schuld bewußt ist, nur um den anderen gnädig zu stimmen?

Ist es nicht umso erstaunlicher, dass Jesus schon vorab für unsere Schuld am Kreuz gestorben ist? Und da Gott unser Herz kennt - ist es ihm wichtiger, dass wir uns entschuldigen, weil wir wissen es ist ihm wichtig aber uns selbst nicht für schuldig halten oder rechnet er mehr die Ehrlichkeit an, wenn wir nur da um Vergebung bitten, wo wir auch Schuld wahrnehmen und über das Andere im Austausch mit ihm sind?!

Dr. House hat den Hauptcase übrigens folgendermaßen gelöst: Er hat den Vater belogen, seine Tochter habe noch Krebs, er sei nur nicht entdeckt worden. Woraufhin der Vater den Deal mit Gott von Gott als nicht eingelöst sieht. Woraufhin er sich operieren lässt und damit gesund wird.
Die Lüge als Instrument. Mittel zum Zweck. Wie oft und unbewußt setzen wir das in unserem Alltag ein!? Aber das scheinbar gute Ergebnis einer Lüge ist doch nur fade Fassade. Denn das Vertrauen ist gebrochen. Und je häufiger wir uns ins Lügennetz begeben, umso sarkastischer und lebensverneinender werden wir.

Trotz allem bleibt am Ende die Frage: Wenn wir die Chance haben mit einer Lüge ein Menschenleben zu retten - würden wir trotzdem die Wahrheit sagen?

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