Mittwoch, 3. Juli 2013

Schüler mit iPad-Lehrerin

Da bin ich mal wieder... Und witzigerweise bringt mich facebook dazu mal wieder zu bloggen...
Eine wirklich inspirierende facebook-Diskussion auf folgenden Artikel iPad Lehrbetrieb hat mich dazu gebracht mal wieder hier ein Statement abzugeben.

Das Ding in 2 Sätzen:
Schüler bekommen in den Niederlanden ab August iPads, um ihren Stoff draufzuschaufeln. Die Lehrer sind dafür da, um Fragen zu beantworten und den Stoff ggflls zu vertiefen.

Darüber ist jetzt eine sehr gute Debatte entbrannt: Brauchen Schüler so etwas? Macht das Lehrer zukünftig arbeitslos? Oder ist das nicht im Grunde gut für die Schüler?

Generell find ich das richtig gut, dass moderne Technik in Schulen Einzug hält: Digiboards werden nach und nach die gute alte Tafel ersetzen. Dass die Kinder Tablets benutzen ist für mich nicht nur eine sinnvolle Weiterentwicklung des Systems, sondern bedeutet auch eine unheimliche Entlastung für den Lehrkörper, sowie eine individuellere Begleitung und Leistungssteigerung für die Schüler. E-Learning ist außerdem auch für alle anderen groß im Kommen. Die Art und Weise woher wir Wissen vermittelt bekommen wird sich in den nächsten Jahren noch mal deutlich verändern.


Natürlich ist mir bewusst, dass das Aufschlagen eines Buches, das Schreiben von Texten mit dem Füllfederhalter, das Zeichnen von Vektoren und Grafiken wirklich elementare Dinge sind, die für Kinder absolut notwendig sind und durch nichts zu ersetzen ist. Was dabei von der Hand in den Kopf geht, ist und bleibt ein wichtiger Lernfaktor.
Ich bin mir daher selbst unschlüssig, ob es wirklich so gut ist ab der Grundschule oder Kindergarten auf E-Learning zu gehen. Ich tendiere eher ab der weiterführenden Schule solch ein System anzudenken.

Nichtsdestotrotz: ich kann das Bemühen der niederländischen Bildungsbeauftragten nur unterstützen!  

Mal ehrlich: Eine Lehrerin für 35 Schüler - kann das wirklich gut gehen? Ist hier Wissensvermittlung wirklich noch in gebührenden Maße möglich? Hat die eine Person wirklich die Klasse unter Kontrolle, wenn sie den Schülern den Rücken zudreht, um etwas an die Tafel zu schreiben?
Wenn das System Schule wirklich noch weiter in ihrer pre-digitalen Art und Weise funktionieren soll, dann müssten im Grunde 3 Lehrerinnen pro Stunde arbeiten. Einer, der das Wissen vermittelt, einer, der auf die individuellen Fragen eingeht und einer, der für Disziplin sorgt.
Aber das System krankt doch vorne, wie hinten!
Einmal folgende Situation angenommen: ich will ja schließlich gerechte Noten geben und das funktioniert nur, wenn ich jedem auch die gleichen Chancen einrechne - ich würde jedem Schüler 1 Minute Beteiligung zugestehen (ich will ja wissen, ob er das gehörte auch verstanden hat, ob er sich noch an letzte Stunde erinnern kann...), dann hab ich noch genau 10 Minuten, um neuen Stoff zu vermitteln. Fakt ist, dass das im normalen Schulbetrieb ein Ding der Unmöglichkeit ist.

Die Tablet-Variante besitzt da hingegen - wie ich finde - einen unglaublichen Charme:
Der Schüler liest seine e-books (die nicht zerknicken, nicht kaputt gehen können, wenig wiegen,...), schaut Videos zu dem Thema, wo Profis das Thema leicht und verständlich erklären und zahlreiche interaktive Grafiken abstrakte Themen verdeutlichen und bekommt Aufgaben, evtl. mit verschiedenen Schwierigkeitsstufen oder Hilfestellungen gestellt.
Ist der Schüler besonders interessiert und lernwillig, so hat er jederzeit die Möglichkeit noch tiefere Infos zu bekommen und Themen zu vertiefen - ein Klick genügt.
Lehrerinnen werden dabei keinesfalls ersetzt oder gestrichen. Im Gegenteil: Sie werden wichtiger wie nie zuvor. Falls Fragen aufkommen, kann die Lehrerin jetzt viel individueller auf die einzelnen Schüler eingehen. Quasi als interaktiver Experte! Hier kommt nicht nur sein Wissen zum Tragen, sondern vor allem die pädagogischen Qualitäten. Das ist doch schließlich der Hauptgrund, warum es Lehrer gibt. Wissen kriegen Kinder heute auch aus dem Internet...!
Die Lehrer müssen sich nicht mehr so auf die Wissensvermittlung konzentrieren, sondern bekommen das einzelne Kind wieder mehr in den Fokus. Kann auf seine Begabungen besonders eingehen. Das bedeutet eine einmalige Chance zur Förderung unserer nachwachsenden Individuen. Die Eltern werden es danken.

Eine der Hauptaufgaben - und da spreche ich jetzt als Medienmann - wird es in Zukunft sein den Kindern Medienkompetenz beizubringen. Dazu zählen:
a) welche Medien gibt es überhaupt und wie benutze ich sie richtig? (Besser die Schüler lernen in der Schule mit iPads richtig umzugehen, als den ganzen Tag daheim damit rumzudaddeln)
b)  wie ticken Medien überhaupt? Woher bekomme ich vernünftige Informationen? Ist wikipedia das Maß aller Dinge?
c) wie lerne ich kritisch mit der Medienflut umzugehen? Woher bekommen besonders die Mainstreammedien ihre Informationen? Wer hat Interesse daran welche Nachrichten verbreitet werden und welche lieber nie zu Tage kommen, sprich: Wer steuert Medien?
Ob das allerdings von politischer Seite gewollt ist? Ich kanns mir kaum vorstellen... Wer lässt schon gerne (Christentum ist hier mal ausgenommen ;)) sein eigenes System hinterfragen?

Was ist Deine Meinung? Ich freue mich auf regen Austausch zu diesem Thema!

Keine Kommentare: